Lebenszeichen October 31, 2009
Wir leben noch, und zwar jetzt in Wiesbaden.
Der Umzug ist überlebt, war extrem stressig und nun hausen wir hier in der Hallgarter Straße 10 zwischen Kisten, Farbeimern und den schönen Stuckdecken.
Ich hab viel zu tun, wenig Nerven und Muse zum Blogschreiben, deshalb endet dieser Eintrag schon hier.
Wenn ich herausfinde wie man mit dem iPhone Fotos bloggen kann, werde ich ab und zu Impressionen vom derzeitigen Alltag posten.
Große Ereignisse… October 12, 2009
…werfen ihre Schatten voraus. Heutiger Schatten:
Der wunderschöne Abschiedsblumenstrauß, den wir am Sonntag bekommen haben als wir aus unserer Gemeinde verabschiedet wurden.

Und ja, meine Haare sind wieder mal kürzer geworden…
Neela Perialis September 29, 2009
Heute Nacht wurde der Perialis-Clan um ein Mitglied bereichert. Ein wundersuesser Wurm, die die Augenringe ihres Vaters geerbt hat :-)


Der Name klingt nicht nur wunderschoen, sondern passt sogar von der Bedeutung gut in unsere Familie: der Name Neela bedeutet “blau wie das Meer” und Perialis ist ja griechisch fuer “Strand” :-)
Der Auschnitt vom Daniel oben ist aus diesem Bild rauskopiert, das aus dem September 1980 kommt.

Alle, die fix rechnen koennen und Olis Geburtsdatum kennen, haben schon erraten, wer das Schnuckelchen links unten im Bild ist. War er nicht damals schon wunderschoen? :-)
Unglaublich, dass meine Schwiegermutter auf dem Bild schon 28 war. So gut moechte ich mich auch halten!
This baby’s ours September 13, 2009

Da ich nun ja endlich einen würdigen Abschluss vorweisen kann, war mein Mann so nett, mich bei seiner foolography GmbH einzustellen. Nun arbeiten wir also zu zweit im Eiltempo daran, dass die Firma zur Abwechslung mal nicht nur Arbeit, sondern auch ein bissi Geld bringt.
Die Produkte sind fertig geplant und hergestellt und wir feilen zur Zeit noch an der Bedienungsanleitung und den AGB. Für die nächsten Wochen sind schon zwei Einkaufsmessen eingeplant, bei denen der Verkauf dann endlich losgeht. Damit wir uns nicht (wie vor ziemlich genau einem Jahr bei der photokina) so unwohl fühlen müssen ob unseres zusammengestückelten Standes, haben wir uns letzte Woche auf einen kleinen “roadtrip” begeben und unseren eigenen wunderbar professionellen Messestand eingekauft. Ist er nicht einfach wunderwunderschön? Die schlanken Fesseln, der unschuldig weiße Teint, so unkompliziert und vielseitig, was kann man sich mehr wünschen? ;-)
Natürlich muss noch einiges geplant, verändert und zugekauft werden (vor allem Wände wären gut…aber da wollten wir nicht die angebotenen Spanplatten nehmen, sondern uns lieber Stoffwände besorgen), aber es ist so ein gutes Gefühl, jederzeit spontan auf eine Messe fahren zu können ohne in einem altbekannten Stressausbruch eine halbgare Lösung präsentieren zu müssen.
Die Vorbereitung laufen also und gleichzeitig steigt die Spannung wie das alles wohl wird, auf dem Markt zu sein, Verträge zu schließen, Kunden zufrieden zu stellen, Werbung zu machen… Was in der Theorie alles vorbereitet wurde, wird sich nun in der Praxis bewähren müssen. We’ll see how it goes…
Ich jedenfalls freu mich drauf!
Bling bling September 10, 2009
Um der maskulinen Tendenz meinen neusten Haarschnittes (und vermutlich auch der nächsten paar Haarschnitte) entgegenzuwirken, bin ich gerade dabei meinen Kleidungs-, Schmink- und Schmuckstil zu femininisieren (äh, so weit das bei einem Schmink- bzw. Schmuckstil halt möglich ist…).
Kleidungstechnisch habe ich mir in den letzten Wochen einige Röcke und Kleider gekauft und genäht und bin erstaunt, wie angenehm die doch zu tragen sind. Sind gar nicht so unpraktisch wie ich immer gedacht habe und machen mich und das Leben einfach schöner.
Geschminkt hab ich mich ja eigentlich nie so richtig, da war’s also nicht sonderlich schwer, eine Veränderung zu bewirken. Besonders nicht, wenn die Schwester eine hoch talentierte und beinah fertig-ausgebildete Visagistin ist ;-)
Dann gibt’s also noch den Schmuck. An Händen und Armen kann ich’s nicht so gut abhaben wenn irgendwas rumbaumelt. An Halsschmuck hab ich schon einiges und außerdem eine hochkarätige Erweiterung in Aussicht (aber davon ein andermal). Bleiben in unserem Kulturkreis also noch die Ohren, die man verzieren könnte. Problematisch ist das, weil ich so unglaublich schöne, weiche Ohrläppchen habe, die ich nicht von einer brutalen Löchermaschine entstellen lassen möchte. “Aber es gibt doch auch Clips und Magnetohrringe” wird mir da immer gesagt, aber hat irgendjemand tatsächlich schonmal solche Dinger gesehen? Es kommt mir fast wie eine Verschwörung gegen heile-Ohrläppchen-Verteidiger vor, aber man findet solchen Schmuck einfach nicht. Deshalb nun meine eigene Lösung, die zugleich den netten Nebeneffekt hat, dass sie eins meiner neuen Hobbies unterstützt: bastel ich mir halt selbst Ohrringe. Dafür habe ich eine sehr umfangreiche Website gefunden, bei der man an Schmuckbasteleien kaufen kann, was das Herz begehrt: Everglaze. Meine Bestellung war innerhalb von 2 Tagen da und jetzt bin ich ein noch mädchenhafteres Mädchen als vorher :-)

Gutes Lied September 4, 2009
Say what you want,
Say what you mean,
Question yourself, are you really what you seem?
Say who you are,
Say what you mean
Question yourself, are you really what you dream?
Tut sicherlich jedem gut, mal drüber nachzudenken und für sich eine Antwort zu finden.
Schnitt um Schnitt September 3, 2009
…in die nächste Phase des Projekts “So kurz sind meine Haare”.
| Vorher | Nachher | ||
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Gutes Gefühl, so kurze Haare. Kann ich jedem empfehlen (besonders allen, die ähnlich faul bei der morgendlichen Badezimmerroutine sind ;-)!
Zeit, Zeit, sooo viel Zeit August 28, 2009
Sooo viel Zeit für sooo viele nutzlose Sachen.
Wie z.B.: Zerstümmelung/Recycling von unnützen Klamotten.
Dieses T-shirt habe ich mir vor 8 Jahren gekauft und “irgendwie” kann ich mich weder in der Größe, noch im Aufdruck noch wiederfinden.
In einer einsamen Minute (als Oli mal weg war. In seiner Gegenwart kann ich solche Aktionen nicht bringen, weil da sein Herz blutet) wurde – schnipp schnipp – die Schere gewetzt und aus dem schrankverstopfenden T-shirt wurde eine…lächerliche Kette…
Naja, schön ist sie nicht wirklich und anziehen werde ich sie vermutlich auch nicht. Aber immerhin nimmt sie weniger Platz weg als das T-shirt :-) Und ich konnte mal wieder üben “Sachen zu machen, die ich nicht gut kann”. Vielleicht werd ich ja noch besser, aber selbst wenn nicht: schnibbeln und basteln macht Spaß. Und nutzlose Dinge zerstören sowieso :-)
Die Frau als Krone der Schöpfung August 27, 2009
Während ich in den letzten Monaten ja quasi an den Schreibtisch gefesselt war um mich auf Prüfungen vorzubereiten, habe ich meinen Drang nach Freiheit in einer Liste mit dem Titel “Dinge, die ich nach der Uni endlich tun kann” ausgelebt. Hier wurde in typisch listenfanatischer Ordnung alles aufgeschrieben, was ich damals gerne tun wollte, aber nicht konnte. ENDLICH ist nun die Zeit gekommen, wo das anders aussieht, ich Zeit ohne Ende habe und all die feinen Dinge genießen kann, die sich dort angesammelt haben.
Eins davon ist das Buch “Captivating” von John & Stasi Eldredge zu lesen, das ich vor langer Zeit zum Geburtstag bekommen habe (wer Interesse am Buch in Deutsch hat: es trägt die typisch misslungene Übersetzung “Weißt du nicht wie schön du bist?”. Immer wieder kriegen die deutschen Verlage es hin einen wunderbar, bedeutungsgeladenen Titel in irgendwas absurdes und in diesem Fall sinnkonträres zu verkrotzen!).
Ein Gedanke daraus, der mir gut gefällt: Die Frau ist dir Krone der Schöpfung Gottes. In Genesis kann man nachlesen wie Gott nach und nach Licht, Himmel, Erde und Meer, Pflanzen, Sterne, Tiere und schließlich den Menschen schöpft (Gen 1,1-31). Man sieht eine deutliche Weiterentwicklung, von den groben Voraussetzungen für’s Leben, hin zum Leben selbst in Pflanzen, Tieren, dem Mann und schließlich als i-Tüpfelchen der Frau.
Am Ende jedes Tages betrachtete Gott sein Werk und “hatte Freude daran, denn es war gut” (Gen 1,10, 12, 18, 21, 25). Bemerkenswert daran ist, dass Gott erst mal nur den Mann schuf, sein Werk betrachtete und es für “nicht gut” empfand (Gen, 2,18). Das ist doch krass, oder? All die wunderbaren Dinge, die Gott hergestellt hat, inklusive (männlichen) Menschen sind “nicht gut” ohne uns Frauen. Die Frau musste geschaffen werden, damit die Schöpfung tatsächlich “gut” wurde. Wir wurden erfunden und geschaffen um der Schöpfung den letzten Schliff zu geben, wir sind die Krone der Schöpfung!
Da läuft man doch mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein durch den Tag :-)
Critical Whiteness Studies July 30, 2009
Ich bin eine Rassistin.
Dieser ungemütliche Gedanke kam mir bei der Vorbereitung meiner letzten Abschlussprüfung zum Thema „Critical Whiteness Studies“ immer wieder. Er ist ein Gedanke, der verbunden ist mit dem Gefühl des „ertappt“ werden bei Dingen, die man nicht denken „darf“ und Gefühlen, die „böse“ sind. Aber was bedeutet Rassismus überhaupt?
Bis ins 17. Jahrhundert wurde der Begriff der Rasse nur auf die Tier- und Pflanzenwelt angewandt. Der Arzt Francois Bernier war der erste, der das Konzept von Rassen auch auf Menschen übertrug, allerdings war der Begriff in diesem Zusammenhang von Anfang an mit einer Wertung verbunden. Die darauf gründenden Rassentheorien dienten während der europäischen Kolonialzeit bis ins 20. Jahrhundert als Rechtfertigung für Ungleichheitspolitik, Ausbeutung und Sklavenhandel. Die dabei angewandte Taktik ist relativ simpel: ein (meist) sichtbares menschliches Merkmal wird ausgewählt, dichotomisiert und als „naturgegebenes“ Kriterium der Unterscheidung benannt, dem dann soziale und kulturelle Eigenschaften zugeschrieben werden. Die Unterschiede werden verallgemeinert und lassen sich so auf einer Werteskala abbilden, in die Menschen eingeordnet werden. Dabei schien von Anfang an klar, dass „die weiße Rasse“ am oberen Ende dieser Skala angesiedelt war. Das „Weiße“ wurde zur Norm etabliert, das andere zum „Anderen“. Diese vereinfachte Darstellung der Menschheit in Gut und Schlecht spiegelt einen Herrschaftsmechanismus wieder, der noch heute präsent ist.
Rassismus ruft bei mir als erstes eine Assoziation zu Rechtsradikalen hervor, zu einigen Wenigen, die Ausländerfeindliches denken und tun. Rassismus darauf zu begrenzen vernachlässigt jedoch eine breite Masse an (teils unbewussten) Nutznießer der gegenwärtigen Herrschaftsverhältnisse in den Routinen und Strukturen des Alltags. Rassismus ist nicht nur Ideologie, sondern auch eine soziale Struktur, die solche Menschen bevorteilt, die dem gesellschaftlichen Standard dessen, was „normal“ ist, nahekommen.
Der jahrhundertlange Versuch, menschliche Rassen biologisch zu beweisen, ist gescheitert. Doch dadurch haben sich nicht automatisch alle mit dem Thema verbundenen Probleme aufgelöst oder geklärt. Collette Guillaumin sagte diesbezüglich: „Race does not exist – but it does kill people “. Der „racial turn“ weist auf eine Evolution des Rassenbegriffs hin, weg von einem biologistischen Konstrukt, hin zu einer sozialen Position, hin zu einem „Rassismus ohne Rassen“. Heutzutage findet sich Rassismus z.B. versteckt wieder im Kulturalismus. Hier werden Kulturen nicht als etwas historisch Entstandenes und Veränderliches gesehen, sondern als etwas natürlich Gegebenes, das es zu bewahren gilt. So wird der Kulturbegriff zum funktionalen Äquivalent des Rassenbegriffs.
Die Rassentheorien deklarierten den „Weißen“ zur Norm und legitimierten so Kolonialaktivitäten, die den „Wilden“ Kultur und Zivilisation bringen sollten. Ideologien dieserart waren in ganz Europa populär und so erschaffte Europa im Kolonialismus kleine Ableger seinerselbst in anderen Ländern mit einer Selbstverständlichkeit, die auf eurozentrischer Wissenschaft, Moral und Ethik basierte und Europas Vormachtstellung in der Welt rechtfertigte. Auch heute ist eine Sichtweise, in der außereuropäische Kulturkreise auf Grundlage europäischer Werte und Normen beurteilt werden, weit verbreitet. Im Postkolonialismus-Diskurs werden diese Einstellungen thematisiert, sowie Strukturen und Kultur in und nach der Kolonialzeit, bezogen auf die Kolonialisatoren sowie die Kolonisierten, untersucht.
Zentrales Thema bei Rassismus, sowie Postkolonialismus sind Dominanzverhältnisse. Diese werden z.B. offensichtlich bei den Fragen, wer über wen redet oder bei wem die Macht liegt, den „Anderen“ durch Worte und Festlegungen zu bestimmen.
Basierend auf diesen beiden Themenfeldern (Rassismus und Postkolonialismus) entwickelten sich in den 90er Jahren die Critical Whiteness Studies (deutsch: kritische Weißseinsforschung). Lange thematisierte Forschung zu Rassen vor allem Schwarze und deren kulturelle Identität. 1992 wies Toni Morrison auf die Einschränkungen hin, die durch eine Beschränkung auf die Objekte der Herrschaftsprozesse (die Entmächtigten) verursacht würden. Für eine umfangreichere Analyse sei auch ein Einbezug der Subjekte (der Machtinhaber) und deren Verbindung zu der Thematik in Betracht zu ziehen. Sie plädierte also für einen Perspektivenwechsel, der die „Norm“ ins Zentrum der Analyse stellen sollte. Auch wenn ein Austausch über „weiße“ Rituale und Handlungsmuster nichts Neues ist (denn diese werden schon seit Jahrhunderten in „schwarzen“ Wissensarchiven gesammelt), so wurde daraus erst in den 90er Jahren ein wissenschaftspolitischer Diskurs.
„Whiteness“ ist eine relationale Kategorie, d.h. sie bekommt ihren Sinn in der Dichotomie zum „Nicht-Weißsein“, dem „Schwarzsein“. Dabei stellt sie keine „naturgegebene“ Kategorie dar, die Individuen oder Gruppen anhand biologistischer Merkmale unterscheidet. Vielmehr geht es um eine soziale Konstruktion von scheinbaren Unterschieden, auf deren Basis privilegierte „Weiße“ ihre Vormachtstellung einnehmen und ausbauen können. Man wird somit nicht „weiß“ oder „schwarz“ geboren, sondern dazu gemacht. „Weißsein“ ist also eine Machtposition, ein Ort der Privilegierung, der neben anderen sozialen Kategorien wie Religion, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, Bildung, etc. existiert und sich mit ihnen überschneiden kann.
Mechanismen der „weißen“ Privilegierung gibt es viele.
„Weißsein“ wird von „Weißen“ oft weder wahrgenommen noch thematisiert. Hier fängt die Privilegierung schon an. „Schwarze“ haben nicht die Möglichkeit zu wählen, ob sie sich mit diesem Thema auseinandersetzen wollen. Es wird ihnen von den gesellschaftlichen Umständen unmöglich gemacht, ihr „Schwarzsein“ nicht wahrzunehmen.
Werden „Weiße“ auf ihr „Weißsein“ angesprochen, wollen sie sich oft nicht dazu bekennen, da viele negative Konnotationen damit verbunden sind. Ein beliebter Fluchtweg geht von dort in die „Farbenblindheit“, wo behauptet wird, dass doch alle Menschen gleich seien und deshalb „Weiß-„ und „Schwarzsein“ keinerlei Bedeutung hätte. Eine solche Sichtweise ist kritisch, weil durch sie „Schwarzen“ deren Anrecht auf Probleme abgesprochen wird, die sie real erleben, mit der Begründung, dass es diese nicht geben „kann“.
Ein Grund, weshalb „Weißsein“ im „weißen“ Deutschland kaum thematisiert wird, ist der Fakt, dass „Weißsein“ als Norm gesehen wird und somit in den Hintergrund tritt. Auf fällt das, was „anders“ ist. Die Konstruktion von „Anderen“ bringt mit sich, dass diese nicht als Subjekte gesehen werden, sondern ausschließlich als Objekte des „Andersseins“. Dabei wird das eigene Fremde und Unheimliche auf die „Anderen“ projeziert, was die Distanz zwischen den Gruppen noch erhöht.
Die Zugehörigkeit zur Gruppe der „Weißen“ sichert den Zugang zu Ressourcen wie Einkommen, Bildung und beruflichen Status, die den „Anderen“ mehr oder weniger verwehrt bleibt. Dies sichert die „weiße“ Vormachtstellung und perpetuiert sie.
Kritisch zu sehen ist außerdem, dass die Existenz rassistischer Einstellungen an sich für viele gar kein Problem darzustellen scheint, sondern erst die „Anderen“, die rassistische Handlungsmuster auslösen. So wird beispielsweise die Existenz von „weißen“ Wohngebieten nicht als problematisch eingestuft, wohl aber ein geplanter Zuzug eines „Schwarzen“ in dieses Gebiet. Probleme werden auf diesem Weg von den Dominierenden auf die Dominierten verschoben. Diese haben nicht nur unter den Auswirkungen dieser Probleme zu leiden, es wird ihnen außerdem vermittelt, dass sie für diese Probleme selbst verantwortlich seien. Schließlich sind ja sie es, die „anders“ sind und damit den „Normalen“ Angst einflößen.
Die Critical Whiteness Studies thematisieren also Problematiken in und von konstruierten sozialen Ungleichheitsverhältnissen.
Zurück zu meiner Ausgangsbemerkung „Ich bin eine Rassistin“. Ist diese wahr?
Nein, ich bin keine Rassistin. Zumindest nicht in der alltagsüblichen Bedeutung des Wortes, das mit Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit verbunden wird.
Und doch:
Ja, ich bin eine Rassistin. Ich ertappe mich immer wieder bei Gedanken und Gefühlen meiner „weißen“ Überlegenheit. Ich hege Vorurteile, Ängste und Phantasien, durch die ich als „Weiße“ „Schwarze“ markiere, positioniere und dadurch meiner Gewalt aussetze. Ich wähle viel zu oft den einfachen Weg, der mir durch eine „weiße“ Hegemonialstellung vorbereitet wurde und versuche nicht bewusst Privilegien zurückzuweisen, die mir strukturell im Alltag gewährt werden. Ich bin eine „Weiße“, die sich all zu lange bewusst und unbewusst durch Passivität mitschuldig daran gemacht hat, dass Ungleicheitsverhältnisse in Deutschland erhalten bleiben.
Um Verantwortung für die eigene Privilegiertheit übernehmen zu können, muss man diese erst einmal wahrnehmen. Dieser Prozess ist bei mir durch mein Studium angestoßen worden. Doch er kann nicht hier enden. Der Weg zur Auflösung dieser Verhältnisse führt vorbei an vielen Individuen, die ihre Position dafür einsetzen, Aufklärung über die strukturelle Privilegierung „Weißer“ zu betreiben. Ein solches Individuum möchte ich sein. Als Teil dieser Gesellschaft möchte ich Verantwortung übernehmen für die historisch durch meine Vorfahren entstandenen und von mir ausgenutzten Dominanzverhältnisse. Als Pädagogin möchte ich aktiv werden und als Multiplikatorin das Wissen um meine „weiße“ Privilegierung in meinem Bekanntenkreis verbreiten. Dieser Artikel ist ein erster Schritt in diese Richtung.






