Monthly Archives: September 2008

Krasse Terrasse

Was ein Tag!
Ich muss sagen, es war echt eine Überwindung auf die photokina zu fahren. Als Wohnzimmer-basierte Einmannfirma die Entscheidung zu treffen, auf der größten Fotomesse der Welt auszustellen, das war echt unheimlich. Der erste Eindruck, den wir von den anderen Ständen geboten bekamen, als wir Montag abend (natürlich viel zu spät und völlig gehetzt) auf dem Messegelände ankamen, war echt krass. Alle Stände sind super professionell von Messebauern geplant und aufgebaut. Wir laden also unser Zeug aus den IKEA-Boxen ab und spannen unsere Moltonstoffstücke, die wir noch auf ebay ergattert haben, an die Wände, stellen den Tisch hin, den wir in der Gemeinde geliehen haben und legen die selbstgelöteten Produkte in unsere Plastikvitrine… Ich wär am liebsten im Erdboden versunken vor Scham. Immerhin ziehen wir alle Blicke der Besucher auf uns, weil wir doch etwas “anders” sind. Und Leuten, die unseren Stand suchen, braucht man nur sagen “kommt zum unprofessionellsten Stand der ganzen Messe”…

Naja, inzwischen hab ich mich an die Blicke gewöhnt und das Feedback der Besucher hat mich wieder ein bissi aufgepäppelt. Die meisten verstehen, unter was für Umständen wir diesen Stand aufgebaut haben, welchen Hintergrund unser “Unternehmen” bis jetzt hatte und findes es eher süß, dass wir uns trauen hier auszustellen. Komplimente wie “Endlich mal wieder frischer Wind hier” und “So there is still genius in Germany” haben wir auch schon bekommen. Es scheint, als ob die Produkte , die Oli entwickelt hat der Idee nach richtig gut ankommen. Es war sogar jemand hier, der auf die photokina ausschließlich gekommen ist um zu schauen, ob jemand genau dieses Produkt herstellt. Ansonsten hätte er es selbst produziert. Er wollte sofort 50 Stück haben :-)
Die Besucherzahlen konnten wir ja gar nicht einschätzen und haben mal provisorisch 5000 Visitenkarten bestellt (hat zu 500 Visitenkarten eh nur einen Preisunterschied von 30 Euro gemacht). Die werden wir wohl nicht alle loswerden. In den 3 Tagen, in denen wir schon hier sind, waren vielleicht 500 Leute an unserem Stand, die sich Infomaterial mitgenommen haben. Und das sind schon so viele, dass wir fast die ganze Zeit am reden und erklären sind.
Vor einer Woche waren wir noch unsicher, ob es sinnvoll ist hierher zu kommen, ob sich die 2500 Euro Standgebühren lohnen. Nun können wir sagen: was ein Glück, dass wir gekomen sind! Krasse Sachen sind passiert. Der Tag heute war unglaublich! Dürften wir hier Produkte verkaufen (oder hätten wir unsere Produkte auf Lager), wir hätten jetzt schon mehr verkauft als wir im kompletten letzten Jahr verkauft haben! Viele Leute zeigen Interesse, einige sind total begeistert. Privatleute genauso wie Distributoren und Fotoläden und -ketten. Einige Riesen, sogar aus Amerika sind auch dabei. Als die Messe für heute geschlossen hat waren wir schon total überwältigt vom Tag.
Dann kam die Ausstellerparty, ein Abend mit leckrem Essen, Livemusik und Unterhaltung im Tanzbrunnen, einer sehr schönen Location direkt am Main Rhein (danke, Papa für den Hinweis. Geographisch war ich noch nie sehr bewandert) gelegen. Bis vor 2 Jahren habe ich ja selbst noch als Hostess gearbeitet und mir dabei immer gewünscht, auch mal zu so einem coolen Event eingeladen zu werden und das Essen nicht nur heimlich in der Küche naschen zu müssen ;-) Heute war die Gelegenheit. Allein das war schon total cool. Am Buffet haben wir uns eine leckre Vorspeisenplatte zusammengestellt, sind zum nächsten Tisch gegangen an dem noch Platz war, haben nachgefragt ob die Plätze noch frei sind und uns nach positiver Antwort hingesetzt. 5 Sekunden später kommt von hinten irgend ein Typ gesprungen um uns von dem Tisch weg zu scheuchen. Aber der Herr, der schon am Tisch saß meinte, dass wir ruhig bleiben können. Schon mal etwas merkwürdig. Nach und nach kamen dann immer mehr wichtig aussehende Männer in schicken Anzügen und setzen sich mit an den Tisch. Selten hatte ich so sehr das Gefühl fehl am Platz zu sein (sogar an unserem merkwürdigen Messestand habe ich mich wohler gefühlt). Als dann auch noch 4 Kellner kamen und gleichzeitig, als obs sie’s einstudiert hätten, den Herren Vorspeisenplatten servierten, waren wir uns endgültig sicher, dass wir vielleicht besser unsere Teller schnappen und uns verkrümeln sollten. Was sind das für Leute, die bei einem Event mit ca.1000 Menschen als einzige ihr Essen serviert bekommen und nicht selbst am Buffet abholen müssen? Und: was machen wir mit denen an einem Tisch??? Hmm, aus der Entscheidung, uns nach der Vorspeise zu verkrümeln wurde dann doch nichts. Einer der Herren fragte uns nämlich, warum wir auf der photokina sind. Nach der Antwort, dass wir Erstausteller sind, war er schon begeistert und als Oli ihm sein Produkt vorgestellt hatte, total aus dem Häuschen. Er stellte uns allen Herren am Tisch vor (überlegt euch einfach, welche großen Fotoverbände, -messen und -hersteller ihr kennt und nehmt deren Direktoren und CEOs). Die Visitenkartensammlung, die wir heute abend zusammengestellt haben, dürfte mehr Vitamin B beinhalten, als wir irgendwann benötigen könnten. Wir wurden “eingeladen” den ganzen Abend mit ihnen zu verbringen (“Heute geht ihr aber nicht mehr zum Buffet, ist doch eh viel praktischer das Essen serviert zu bekommen”) und wurden allen möglichen wichtigen Leuten aus der Industrie vorgestellt. Als der Abend zu Ende ging kam der Direktor einer der größten Fotohersteller nochaml rüber und meinte “das Leben besteht aus 50% Talent und 50% Glück. Der heutige Abend war euer Glück”.
Krass. Jetzt sitz ich hier, ziemlich perplex von dem was in den letzten Stunden passiert ist und kann nicht aufhören zu zittern.
Und jetzt? Wie gehts jetzt wohl weiter? Vorgestern noch im Wohnzimmer am zweifeln, ob wir da voll den Mist bauen mit der Messe und unser Geld sinnlos verpulvern. Heute am VIP Tisch inklusive Vitamin B Spritze. Und übermorgen? Keine Ahnung! Was macht man jetzt wohl um diese Chance nicht zu verbocken?
Mal schauen ob wir heute Nacht überhaupt schlafen können.
Eine glückliche aber verwirrte Sophia

photokina

Für alle, die sich wundern warum wir uns in letzer Zeit so rar gemacht haben und für fast nix mehr Zeit hatten: Wir fahren gleich los zur Photokina, der weltgrößten Fotomesse. Oli hat dort ganz kurzfristig einen Stand für sein Unternehmen foolography bekommen und darf nun das GPS/Geotagging-Equippement, das er herstellt, dort vorstellen.
In den letzten zwei Wochen haben wir versucht im Schnelldurchlauf das hinzubekommen, wofür andere Firmen ein Jahr Zeit haben: Standkonzept planen, Werbegeschenke ausdenken, Infobroschüren texten, setzen, drucken lassen, Info-Powerpoint-Show zusammenstellen, Klamotten in der Corporate Identity besorgen, alles bestellen und einkaufen, die Firmenhomepage (www.foolography.com) überarbeiten, den Prototypen der neuen Version des Premiumproduktes voranbringen…
In den letzten Nächten haben wir so gut wie nicht geschlafen (aus Zeitmangel genauso wie aus Aufregung). Jetzt ist der große Tag gekommen, ich bin schon ewig vor meinem Wecker aufgewacht obwohl ich erst um 2h ins Bett gegangen und alle halbe Stunde aufgewacht bin. Oli ist erst vor 2 Stunden ins Bett gegangen. Mal schauen wie so ein Messeaufbau wird im Zustand, der relativ nah der Erschöpfung kommt. Mal schauen wie es ist auf einer so großen Messe auszustellen. Mal schauen ob uns die Leute auslachen, weil unser Stand so “homemade” ist und zwei jungen Hüpfer da drin stehen und Fotozubehör verkaufen wollen. Ich hoffe, man wird sehen, dass wir zwar noch nicht wahnsinnig viel Erfahrung, dafür aber umsomehr Leidenschaft und Menschlichkeit ins Geschäftsleben mitbringen.
Mal schauen…

Falls jemand Lust hat uns in Köln besuchen zu kommen: wir haben noch zwei Ausstellertickets, die für die ganze Zeit der Messe (23.-28.9.08) gültig sind. Wenn ihr die für einen Tag haben wollt, dann ruft uns einfach an.

Eine kribbelige Sophia

Chronologie einer Erkältung

Montag, 9.30h: Fahrtbeginn mit dem Fahrrad zur Arbeit
Montag, 9.40h: Es fängt an zu regnen. Kurze Überlegung: drehe ich um und fahre mit der Bahn? Entschluss: Nein, ich bin zu faul zurück zu fahren, Fahrrad rein zu tragen, in den 3. Stock zu laufen um Ticket zu holen und zur Bahn zu laufen.
Montag, 10.00h – 14.00h: Arbeiten in den schönen, aber unterkühlten Räumen von Döhler.
Montag, 20.00h: Feierabend feiern gehen.
Dienstag, 9.00h: Halsschmerzen.
Dienstag, 9.30h: Fahrt mit dem Fahrrad zur Arbeit. Kein Regen, trotzdem kalt.
Dienstag, 22.00h: Halsschmerzen, Kopfschmerzen, Schwächegefühl. Gedanke: was muss man eigentlich machen wenn man arbeitet und krank wird?
Dienstag, 23.00h – Mittwoch, 8.00h: Kampf gegen die Bazillen + Kampf mit meinem Gewissen. Wann bin ich krank genug um nicht arbeiten zu gehen?
Mittwoch, 8.00h: Entscheidung: ich steh auf und versuchs mal mim Arbeiten.
Mittwoch, 9.00h: Fahrt mit dem Auto zur Arbeit. Regen, aber egal.
Mittwoch, 11.30h: Solange ich am Schreibtisch sitze und arbeite gehts einigermaßen. Muss ich aufstehen, reden, sinnvolle Dinge überlegen, wirds schwerer.
Mittwoch, 12.00h: Meine Cheffin hat Gnade mit mir, ich darf nach Hause.
Mittwoch, 12.30h: Ich falle ins Bett und in einen tiefen Schlaf aus dem ich
Mittwoch, 15h: erwache. Ich bin krank. Das Fieber schüttelt mich, lässt mich schwitzen, lässt mich frieren. Alle tut mir weh. Mitleid bitte!
Mittwoch 20.00h: Ich liege auf der Couch und erwache durch glucksende Geräusche. Im Traum habe ich grade gelacht. Kommen jetzt die Hallus?
Mittwoch, 22.00h – Donnerstag 4.00h: Unruhiger Schlaf. Es nervt eine verstopfte Nase zu haben. Dadurch trocknet der Mund beim Atmen aus. Dadurch wacht man dauernd auf weil man was trinken muss. Und dadurch wacht man dauernd auf weil man aufs Klo muss. Nasentropfen genommen.
Donnerstag, 4.00h – Donnerstag 9.42h: Durchschlafen.
Donnerstag, 9.42h: Das Telefon klingelt lang genug um uns aufzuwecken, aber nicht lang genug um dran zu gehen um zu sehen wer es ist. Nerv! Jetzt merk ich, dass es mir besser geht. Mir tut zwar immer noch vieles weh, aber nicht mehr alles und nicht mehr so doll.
Donnerstag, bis 14.25h: Langweile. Dann die Idee, man könnte andere teilhaben lassen an der eigenen Misere und so etwas Mitleid ergattern und anderen zeigen, wie gut es ihnen eigentlich geht.
Donnerstag, 14.43h: Idee in die Tat umgesetzt, Eintrag geschrieben, abgeschickt.