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Die Frau als Krone der Schöpfung

Während ich in den letzten Monaten ja quasi an den Schreibtisch gefesselt war um mich auf Prüfungen vorzubereiten, habe ich meinen Drang nach Freiheit in einer Liste mit dem Titel “Dinge, die ich nach der Uni endlich tun kann” ausgelebt. Hier wurde in typisch listenfanatischer Ordnung alles aufgeschrieben, was ich damals gerne tun wollte, aber nicht konnte. ENDLICH ist nun die Zeit gekommen, wo das anders aussieht, ich Zeit ohne Ende habe und all die feinen Dinge genießen kann, die sich dort angesammelt haben.
Eins davon ist das Buch “Captivating” von John & Stasi Eldredge zu lesen, das ich vor langer Zeit zum Geburtstag bekommen habe (wer Interesse am Buch in Deutsch hat: es trägt die typisch misslungene Übersetzung “Weißt du nicht wie schön du bist?”. Immer wieder kriegen die deutschen Verlage es hin einen wunderbar, bedeutungsgeladenen Titel in irgendwas absurdes und in diesem Fall sinnkonträres zu verkrotzen!).
Ein Gedanke daraus, der mir gut gefällt: Die Frau ist dir Krone der Schöpfung Gottes. In Genesis kann man nachlesen wie Gott nach und nach Licht, Himmel, Erde und Meer, Pflanzen, Sterne, Tiere und schließlich den Menschen schöpft (Gen 1,1-31). Man sieht eine deutliche Weiterentwicklung, von den groben Voraussetzungen für’s Leben, hin zum Leben selbst in Pflanzen, Tieren, dem Mann und schließlich als i-Tüpfelchen der Frau.
Am Ende jedes Tages betrachtete Gott sein Werk und “hatte Freude daran, denn es war gut” (Gen 1,10, 12, 18, 21, 25). Bemerkenswert daran ist, dass Gott erst mal nur den Mann schuf, sein Werk betrachtete und es für “nicht gut” empfand (Gen, 2,18). Das ist doch krass, oder? All die wunderbaren Dinge, die Gott hergestellt hat, inklusive (männlichen) Menschen sind “nicht gut” ohne uns Frauen. Die Frau musste geschaffen werden, damit die Schöpfung tatsächlich “gut” wurde. Wir wurden erfunden und geschaffen um der Schöpfung den letzten Schliff zu geben, wir sind die Krone der Schöpfung!
Da läuft man doch mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein durch den Tag :-)

Zukunftsgedanken

…sind in Zeiten, in denen die Gegenwart sehr herausfordernd ist, etwas sehr nettes :-)

Doch meine Zukunftsgedanken drehen sich (trotz scheinbar nicht endendem Gelerne) nicht nur um Urlaub, Freiheit und Faulenzen. Der nahende Uniabschluss bringt mich auch dazu nachzudenken, wie ich mein Leben überhaupt gestalten will. Da kommen mir dann einzelne konkrete Dinge in den Kopf wie ein Leben in einem warmen Land, Träume wie ein Cafe zu eröffnen, aber auch generelle Wünsche zu Umständen, die das Leben schön machen. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass man wahrscheinlich fast überall glücklich sein kann wenn man a) Menschen um einen hat, die man mag und mit denen man seinen Alltag teilen kann und b) eine Aufgabe hat, die einen erfüllt.
So sehr ich meine Freunde hier vermissen würde, denke ich, dass man nette Menschen überall auf der Welt kennenlernen kann. Das ist also keine Einschränkung bezüglich eines zukünftigen Domizils.
Dann bleibt der Punkt mit der erfüllenden Aufgabe. Mein Problem damit ist vor allem, dass ich selbst nach 5 Jahren Studium immer noch nicht weiß, was diese Aufgabe werden soll. Es ist nicht so, dass ich keine Ideen habe was mir Spaß machen könnte. Eher das Gegenteil ist der Fall. Die Liste, die ich vor einiger Zeit gestartet habe, mit meinen potentiellen Karrieren, ist inzwischen über eine halbe Seite lang (und reicht von Weddingplanner über Autorin bis Unternehmensberaterin. Ich bin einfach zu vielseitig begabt ;-) Auch jetzt bei den Vorbereitungen der Abschlussprüfungen merke ich, dass ich mich einfach für alles begeistern kann. Internationale Personalentwicklung war ein total spannendes Thema, in das ich mich während der Magisterarbeit vertieft habe. Aber auch englische Literatur war total interessant und die angebotene Doktorarbeit in dem Feld hätte mir wahrscheinlich total viel Spaß gemacht. Dann war da noch Personal und Marketing in BWL, was auch zwei spannende Themen sind, in denen ich aufgehen könnte. Und nun die pädagogischen Themen Postkolonialismus, Antirassismus und Migrationsgesellschaft, die nicht nur aktuell sind, sondern meine gewohnten Denkweisen immer wieder herausfordern und so das Lernen total interessant machen… Und wofür soll ich mich dann letzlich entscheiden?
Man hört ja immer wieder, dass die wenigsten Menschen in dem Beruf arbeiten, den sie gelernt haben und dass Quereinsteigertum und Karrierewechsel immer normaler werden. Aber irgendwie wär es doch auch ein schönes Gefühl zu wissen, was ich überhaupt will und wo das in ein paar Jahren enden wird.
Vermutlich muss man in diesem, wie in so vielen anderen Hinsichten, einfach geduldig sein und schauen, was die Zukunft für einen bringt. Ich denke ich werde mir nach dem Studium ein wenig Zeit gönnen in der ich darüber nachdenken und ausprobieren kann, was von den vielen Möglichkeiten wohl die ist, die mich gerade erfüllt. Und wenn sich das irgendwann ändern sollte muss ich dann halt schauen, was als nächstes dran ist.
Wie ging doch die alte Bauernregel: Geduld, Vernunft und Hafergrütze, die sind zu allen Dingen nütze :-)

Rückblick

Letzte Woche saß ich nach dem Aufstehen auf der Bettkante und hab während des Sockenanziehens gedacht: Eigentlich bin ich voll glücklich mit meinem Leben! Ist das nicht schön, sowas denken zu können? Ich hab mich jedenfalls sehr über den Gedanken gefreut. Solche Gedanken sind mir wichtig, weil ich mich an sie oft länger erinnern kann als an anderes. Z.B. weiß ich von unserer Hochzeit nicht mehr wahnsinnig viel, aber ich kann mich an den Gedanken erinnern, den ich während der Feier hatte: Grad ist es genau so schön, wie ich es mir gewünscht habe.
Natürlich gibt es auch ein paar Dinge, die grad ein bissi nerven und die ich gerne verändern würde. Ich freue mich beispielsweise durchaus darauf, meine Magisterarbeit endlich abgegeben zu haben. Aber auf der anderen Seite ist es doch auch schön, eine Beschäftigung zu haben. Und grundlegend bin ich mit meinem Leben sehr zufrieden. Ich bin froh darüber, mit dem glücklich sein zu können, was ich gerade habe. Ich denke das ist ein Geschenk von Gott. Es gibt so viele Menschen, die immer unzufrieden sind, egal wie es ihnen geht. Ich habe gelernt, dass es meistens nicht die Umstände sind, die ausschlaggebend sind, sondern wie man ans Leben herangeht. Hört sich das nicht alles sehr weise an? Naja, Sophia heist ja auch “Weisheit” auf griechisch :-)
Manchmal grummel ich mit mir, weil ich denke ich würde nicht genug mit meinem Leben machen, nicht genug schaffen von dem, was ich gerne tun würde. Aber während ich in der letzten Woche einiges Revue passieren lies habe ich gemerkt, dass ich vielleicht manchmal ein bissi streng mit mir umgehe. Immerhin habe ich mein Studium so gut wie fertig (Magisterarbeit ist schon fertig geschrieben, muss nur noch formatiert, gedruckt und abgegeben werden), bin glücklich verheiratet, habe inzwischen sogar einige Hobbies gefunden, schaffe es ziemlich oft mir Zeit für Gott und meine anderen Freunde zu nehmen und baue gerade nebenbei eine Firma auf, die uns vielleicht unser ganzes Leben lang versorgen und begleiten wird. Eigentlich gar nicht so wenig wenn man mal drüber nachdenkt. Ich glaube, manchmal steck ich so drin im Schaffen, dass ich die Perspektive verliere, wie viel das eigentlich ist. Ich verliere dann das Gefühl dafür, wieviel “normal” ist und denke, ich könnte doch ruhig ein bissi mehr machen…
Deswegen ist es glaub ich ziemlich wichtig, ab und zu einen Schritt zurück zu tun und all das aus der Entfernung zu betrachten. Und dabei bemerke ich: eigentlich gar nicht so wenig für jemanden, der gerade erst sein erstes Vierteljahrhundert vollendet.
Eine zufriedene Sophia

Alltagsgott

Dieser post ist eine Antwort auf den post eines entfernten Bekannten, der mir die letzten Tage nicht aus dem Kopf geht (der post, nicht der Bekannte ;-) Vielleicht hilft das Niederschreiben ja bei der Ordnung meiner Gedanken. (Und hier noch ein anderer Gedanke: ich hab das Gefühl, dass das viele Magisterarbeit-Geschreibsel meinen Schreibstil verändert. Ich komme mir jetzt manchmal so extrem verhackstückend und logisch vor. Ist das noch jemandem aufgefallen???)

Matze fühlt sich scheinbar schlecht darüber, dass er glücklich ist, obwohl seine Beziehung zu Gott (seiner Meinung nach) gerade zu wünschen übrig lässt. Das lässt darauf schließen, dass er meint, dies sollte oder dürfte nicht so sein. Ich darf nicht glücklich sein wenn ich keine „gute Beziehung“ zu Gott habe. Eine „schlechte Beziehung“ zu Gott sollte mich doch unglücklich machen. Interessant. Aber irgendwie hört sich das gar nicht nach dem Gott an, den ich kenne. Eher nach einem schlechten Gewissen von jemandem, der meint, seinen frommen Verpflichtungen nicht nachzukommen.
Ich hab bestimmt nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen oder alles begriffen, aber das meine ich doch schon zu verstehen. Glücklichkeit hat erst mal nichts mit der Beziehung zu Gott zu tun. Ansonsten gäb‘s nur glückliche Christen und nur unglückliche Nichtchristen. Beides ist definitiv nicht der Fall. Wär auch ziemlich unfair von Gott weil ja jeder glücklich sein will und sonst wär das mit dem freien Willen wirklich nur eine Pseudofreiheit. Dass Glaube zur Glücklichkeit eines Menschen beitragen kann ist wiederum was anderes, das ich hier nicht bestreiten möchte. Ich denke, niemand sollte sich schlecht darüber fühlen, dass er glücklich mit seinem Leben ist. Das macht ihn zu einem Lebenskünstler und ich wünschte, dass ich selbst mehr solcher Qualitäten hätte.
Dass Matze diesen post überhaupt schreibt, deutet darauf hin, dass er nicht glücklich sein möchte trotz seiner „schlechten“ Beziehung mit Gott. Es fühlt sich falsch an. Und das wiederum kann ich sehr gut nachvollziehen.
Ich vermute, dass Matze eine ähnliche „christliche Karriere“ hatte wie ich. Ich bin in einer christlichen Familie aufgewachsen, war also von Anfang an Gott und dem christlichen Glauben ausgesetzt. Es gab (und gibt immer mal wieder) Zeiten zu denen ich alles angezweifelt habe. Aber letzten Endes komme ich immer wieder zu dem Schluss, dass es Gott halt doch gibt und das Ganze nicht nur eine religiöse Spinnerei ist. Dafür gibt es einfach zu viele Hinweise. Ich weiß, dass es Kräfte auf dieser Welt gibt, die über das Menschliche hinaus gehen. Negative und positive. Ich habe beide schon erfahren. Ich habe auch schon erlebt, welche davon die stärkeren sind. Dieses Wissen kann ich nicht einfach leugnen, und ignorieren kann und will ich es auch nicht. Deshalb bin ich Christ: weil ich in meinem Leben erfahren habe, dass Gott existiert und ich bei ihm auf der besseren Seite bin.
Diese Entscheidung bringt aber eine Reihe von Dingen mit sich. Eine davon ist, dass ich mit Gott Kontakt aufnehmen kann, will und vermutlich auch sollte. Und das ist wohl der Knackpunkt, an dem Matze sich fühlt als würde er scheitern. Auch das kann ich nachvollziehen. Es ist schwer eine Beziehung mit jemandem zu haben, der so anders als man selbst ist. Vor allem unsichtbar und nicht menschlich. Ich beneide die Leute, die zur gleichen Zeit wie Jesus gelebt haben. Es muss so viel einfacher für sie gewesen sein (naja, zumindest in dem Punkt. In so ziemlich allen anderen Punkten des Lebens beneide ich sie nicht. Was wär das Leben ohne Internet :-). Aber was ist denn die Alternative? Alles aufzugeben. Ich weiß, dass das eindeutig die schwachsinnigere Wahl wäre. Und deshalb nehme ich die Herausforderung an, ich versuche jeden Tag daran zu arbeiten, meine Beziehung zu Gott zu pflegen und das Beste draus zu machen. Eigentlich ähnlich wie Beziehungen zwischen Männern und Frauen. Kompliziert ohne Ende und trotzdem trauen sich so viele Leute dran, einfach weil die Alternative – Einsamkeit – noch blöder wär.

Matze denkt, Gott sei in seinem Alltag irrelevant. Das Schreiben seines Artikels beweist aber das Gegenteil. Sonst würde er doch gar nicht darüber nachdenken und mit der derzeitigen Situation unzufrieden sein. Gerade das Zweifeln zeigt doch, das er nicht bereit ist das Ganze als unwichtig abzustempeln. Der Alltag spielt sich doch nicht nur in unseren Handlungen ab, sondern genauso in dem, worüber wir nachdenken, was uns beschäftigt. Ich glaube der Punkt ist: manchmal fühlt man sich gut, manchmal schlecht in der Beziehung zu Gott. Aber wir Christen (als diejenigen, die wissen, dass Gott Realität ist) können doch gar nicht anders. Wir können nur akzeptieren, dass es manchmal toll ist und manchmal nicht. Vor bestimmt 15 Jahren (oh dear, bin ich alt, dass ich so was sagen kann!) hab ich mal jemanden über dieses Thema reden gehört. Die Lösung, die der Typ damals hatte, war ganz einfach: immer am Ball bleiben! Das ist irgendwie kleben geblieben bei mir. Ich bleib immer dran an Gott, auch wenn’s manchmal nervt weil alles so schlecht läuft. Ich bleib trotzdem dran weil ich weiß, dass es auch wieder besser wird. Und das habe ich unzählige Male bei mir und bei anderen erlebt. Wenn ich zurück blicke, ist meine Beziehung zu Gott vergleichbar mit einer Aktienkurve. Es geht mal hoch und mal runter, aber die Tendenz ist definitiv steigend. Je länger ich mit ihm befreundet bin, desto besser kenn ich ihn und weiß was ich an ihm habe. Und desto mehr Möglichkeiten lerne ich, die Freundschaft zu pflegen. Und desto mehr erkenne ich, was mir diese Freundschaft wirklich bringt. Letzten Endes ist es nicht nur ein K(r)ampf, sondern tatsächlich eine Freundschaft.

Matze wirft die Frage auf über eine echte Beziehung zu Gott. Gibt es denn eine unechte Beziehung zu ihm? Vermutlich schon und die sähe so aus, dass man vortäuscht alles zu verstehen und keinerlei Probleme damit zu haben, eine Freundschaft mit einem „Alien“ zu haben. Hallo…? – Natürlich ist das schwer und natürlich ist man manchmal frustriert. Das ist sogar bei „normalen“ Beziehungen der Fall. Aber aufgeben ist halt keine Alternative. Das einzig sinnvolle ist also „am Ball zu bleiben“ und nach neuen Wegen zu suchen, wie man was zusammen machen kann und sich besser kennenlernt. Und das ist wiederum ein ganz neues, aber auch unglaublich spannendes Thema. All diese ausgelatschten Wege, wie man seine Freundschaft mit Gott zu leben hat, tragen meiner Meinung nach nicht dazu bei, diese Freundschaft zu verbessern. Sie sind eher der Grund dafür, dass viele Christen so frustriert sind. Jeder Mensch ist doch anders, warum sollte es einen universellen Weg geben, wie man Freundschaft lebt?
Ich z.B. merke, dass sich ein großer Teil meiner Beziehung zu Gott in meinem Kopf abspielt (was mich nicht wundert, da ich generell ein sehr verkopfter Mensch bin). Ich sinniere über Sachen und habe einen Gedanken, inspiriert von etwas, das ich letztens in nem Predigt-Podcast gehört habe. Ich swinge auf meinem Trampolin, höre ne coole CD und denke mit Gott zusammen darüber nach, was ich heute machen will und er zeigt mir dabei oft Sachen, die ich machen soll (z.B. diesen post schreiben). Ich bin neidisch auf jemandem und merke, wie etwas in mir weiß, dass ich daran arbeiten muss… Alles in meinem Leben, in meinen Gedanken, alles an und in mir ist verwoben und verknüpft mit Gott. Einfach weil man uns nicht mehr trennen kann, weil diese Freundschaft schon so lange andauert, dass sie mich verändert hat, dass ich ohne sie jemand ganz anderes wäre. Und so ist Gott doch automatisch Teil meines Alltags, weil er Teil von mir ist. Und das hat nichts mit einer langweiligen stillen Zeit im Morgengrauen zu tun.
Ich glaube wir müssen diese schrecklichen Vorstellungen abschütteln, wie Freundschaft zu Gott aussehen muss. Wir müssen das schlechte Gewissen ablegen, dass wir nicht genug für Gott und unsere Freundschaft tun. Das setzt einen doch so unter Druck, dass es den Spaß verdirbt und man lieber gar nichts mehr mit dem Ganzen zu tun haben will. Aber das ist ja wie bereits erklärt auch keine Lösung…
In 2. Petrus 3,18 steht: Lebt immer mehr aus der Gnade unseres Retters Jesus Christus und lernt ihn immer besser/tiefer kennen (Mischung aus verschiedenen Übersetzungen). Ich denke, das ist das einzig Vernünftige, was wir in dieser Situation tun können. Immer am Ball bleiben, die Freundschaft nie aufgeben, Gott immer besser kennenlernen. Ich merke, dass dadurch meine Perspektive auf Gott, die Welt und meinen Alltag verändert wird und so das Leben und die Freundschaft zu Gott immer mehr Sinn machen.
Eine zuversichtliche Sophia

Weihnachten im Warmen…

…ist zwar größtenteils nicht sehr weihnachtlich, aber trotzdem sehr schön. Für mich jedenfalls. Kann ich nach dem letzten Weihnachten, was ja im Warmen war, für mich sagen.
Es ist zwar schön, an Weihnachten im Schnee rumzustapfen, verfroren nach Hause zu kommen und es sich mit einem fetten Schmöker mit ner Tasse Kakao vorm Ofen gemütlich zu machen, aber 1. hab ich das in Darmstadt eh nicht (Dank sei der Erderwärmung, die es hier so warm macht, dass es nicht mehr schneit, aber nicht warm genug, dass man sich wohl fühlen könnte), und 2. scheint Weihnachten jedes Jahr schneller wieder vor der Tür zu stehen, da ist es nicht so schlimm wenn man es ab und zu einfach mal ignoriert und/oder ausfallen lässt. Naja, find ich jedenfalls. Frag mal nen weihnachtbegeisterten Ami, der würd dir da wahrscheinlich was ganz anderes sagen (ich hatte in Amerika eine Freundin, die fand Weihnachten so toll, dass sie ihren Keller das ganze Jahr über weihnachtlich geschmückt hatte und immer runter ging um sich darüber zu freuen…).
Also, ich fands jedenfalls toll. Es war eine perfekte Mischung aus Sommerurlaub und Weihnachtsferien (bis auf die Zeiten, zu denen ich arbeiten musste, was leider nicht all zu selten war. Die haben dann zu Urlaub und Ferien nicht ganz so gut gepasst). Weihnachtlich hatten wir es auch ab und zu, auch wenn es vielleicht nicht immer das typisch-traditionell Weihnachtliche war. Hier ein paar Beweisfotos von weihnachtlichen Momenten:

Jazz-Weihnachtskonzert im Irish Pub
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Carolsinging im Yachtclub (einige Kinder aus einem Waisenhaus haben ein Lied vorgesungen)
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Den Weihnachtsmann gibt’s auch in Afrika (oder seinen schwarzen Bruder :-).
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Sogar einen Weihnachtsbaum hatten wir. Oli hat bei einer Palme aus dem Garten den Blütenstand abgeschnitten. Der hat kopfüber und geschmückt einen sehr schönen Weihnachtsbaum abgegeben.
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Man kann aber nicht nur die Weihnachtlichkeit genießen, sondern gleichzeitig Sonne, Meer und Strand. Und die sind echt nicht zu verachten. Am 24. haben wir zu zweit einen Ausflug auf eine kleine Insel vor Dar es Salaam gemacht. Beim Sonnen und Schnorcheln kann man sich wirklich bestens auf die weihnachtliche Aufregung des heilgen Abends vorbereiten.
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Oli konnte dort auch endlich ausgiebig das Unterwassergehäuse testen, das er sich kurz vorher auf Ebay gakauft und an seine Kamera angepasst hatte. Es war alles dicht. Ein Glück, sonst wär’s kein schönes Weihnachten geworden!
swimming

Ja, so schön kann das Leben sein. Und jetzt sind wir wieder hier, zurück in Deutschland. Im Land des Luxus, der Ordentlichkeit und des geregelten Lebens. Hier wo nicht nur das Wetter, sondern auch die Mienen der Menschen Kälte ausstrahlen. Und ich schließe mich da nicht aus. Ich merke immer wieder, wie sehr ich mich anstecken lasse und so schnell selbst wieder griesgrämig rumschlurfe. Aber ganz ehrlich ist es auch wirklich schwer, dagegen anzukämpfen. Diese ganze “Du bis Deutschland” Aktion war ja schon interessant, aber es braucht so unwahrscheinlich viel Kraft immer wieder “Tropen auf dem heißen Stein” zu spielen. Und die Kraft hab ich oft nicht, also bis ich nur ein weiteres Stück Kohle, das den Stein noch heißer macht (ich merke, diese Metapher ist sehr begrenzt. Vor allem wo Hitze ja eigentlich was Positives ist und hier das Negative versinnbildlicht. Hmm, mir fällt aber grad nix besseres ein. Ich hoffe ihr versteht mich trotzdem). Ich finde mich grad sehr oft in dem Gedankengang, dass ich mich wundere, warum ich überhaupt hier lebe. Immerhin leben wir in einer Zeit und Welt, in der sich jeder (zumindest jeder Deutsche) entscheiden kann, wo er sein Leben verbringen möchte. Deshalb finde ich, sollte man sich da auch wirklich Gedanken drüber machen und nicht automatisch annehmen dass nur weil man hier geboren ist, man auch hier sterben sollte. Ich weiß, dass Deutschland unwahrscheinlich viele Vorzüge hat. Jedes Mal wenn wir aus Tansania zurück kommen bemerke ich dieses auf ein Neues und freue mich auch über Vieles. Aber trotzdem fällt es mir doch jedes Mal schwerer, mich hier einzuleben, als auf dem Hinweg in Tansania. Annehmlichkeiten wie zuverlässiger Strom, Sauberkeit auf den Straßen, Häuser bei denen man sicher sein kann, dass sie nicht über einem zusammenbrechen und einen begraben werden, alles schön und gut. Aber verglichen mit der Freiheit, die man gewinnt wenn der Lebensraum nicht auf vier Wände begrenzt ist, weil man sich problemlos draußen aufhalten kann ohne den Gefriertod fürchten zu müssen, werden diese Annehmlichkeiten belanglos. Es ist nicht einfach nur schön wenn es warm ist. Es bringt so viel mehr mit sich. Ich könnte hier ja auch raus und spazieren gehen, mich mit Leuten in der Stadt verabreden, Dinge unternehmen. Ich müsste mich halt dick eipacken. Aber ich mache es nicht, ich glaube weil es so mühsam ist. Es geht ja auch ohne. Der nächste Sommer kommt bestimmt und Freunde kann man auch anrufen… Die Wärme draußen ermöglicht ein ganz anderes Leben mit der Freiheit jederzeit alles überall machen zu können. Und ich merke wie wichtig mir das ist. Wenn ich in Tansania aus dem Flugzeug steige und die Hitze des Rollfelds mir fast die Hose an den Beinen hochrollt, habe ich das Gefühl, dass sich alles entkrampft, dass ich endlich wieder loslassen und leben kann. Ich fühl mich endlich richtig wohl.
Irgendwie macht mir das aber Angst. Denn auf lange Sicht bedeutet das ja, dass ich eigentlich nicht in Deutschland leben will. Und das ist unheimlich. Weil es einen ziemlich langen Rattenschwanz an Auswirkungen mit sich bringt. Wo will ich denn hin wenn weg von hier? Was ist mit meinen Freunden und meiner Familie? Will ich meine Zelte hier wirklich komplett abbrechen? Meine Kinder später im “Ausland” (das ja dann wohl Heimat wäre) großziehen, wären die dann gar keine Deutschen und fänden es komisch, dass ihre Mama in Deutschland aufgewachsen ist? Findet man wo Neues wirklich wieder Anschluss? Weil ohne Freunde kann es noch so warm sein, dann ist das Leben auch blöd. Irgendwie ziemlich unheimliche Gedanken. Und doch will ich sie denken, denn wenn ich das nicht tue, sitz ich in 20 Jahren immernoch hier weil ich mich nicht getraut habe einfach zu gehen.
Ein paar Leute mit denen ich schon darüber geredet habe meinten, ich sei doch noch jung und soll einfach ein bisschen reisen, ein paar Länder kenenlernen und gucken wo es mir gefällt. Vielleicht komm ich ja irgendwann wo hin und spüre, dass sich das richtig anfühlt. Das will ich auf alle Fälle tun und unser nächster Urlaub wird zeigen, ob Kalifornien nicht so ein Ort sein könnte. Bin sehr gespannt drauf, man hört ja viel Gutes…
Außerdem werd ich oft darauf hingewiesen, dass selbst ein Umzug ja nicht auf ewig sein muss. Man kann ja auch für ein paar Jahre weg ziehen und dann wieder zurück kommen. Ist auch wahr, aber ich glaub mein Problem damit ist, dass ein Teil von mir (und das ist ein nicht all zu kleiner Teil) immer alles fertig denken und planen will. Dieser Teil gibt sich nicht damit zufrieden, dass ich nicht weiß ob das ein Umzug für immer ist. Diese Ungewissheit ist so schwer zu ertragen. Komisch, dabei ist doch eigentlich das ganze Leben ungewiss. Hmm, weiß auch nicht warum das so ist, aber ich merk, dass mich das darüber Nachdenken ganz kribbelig macht. Man kann halt nicht in die Zukunft sehen, und alles durchgeplant zu haben wär ja auch langweilig. Aber so ein bissi “es wird schon alles gut werden” würd halt auch gut tun.
Und das bringt mich dann jedesmal wieder zum gleichen Punkt: ein Glück dass ich weiß, dass es tatsächlich alles gut werden wird. Selbst wenn ich nicht im Voraus weiß wohin der Weg geht. Weil ich Vertrauen haben kann, dass Gott auf dem ganzen Weg dabei sein wird. Das nimmt die Kribbeligkeit zwar nicht weg, aber immerhin die Panik davor, dass alles schief gehen könnte. Denn selbst ein kribbeliger Weg ist mit Gott ein guter Weg.
Eine – ja, genau – kribbelige Sophia

Tansanische Effizienz

Hier ein Beispiel der typisch afrikanischen Lebenseinstellung (jedenfalls von dem, was ich bisher kennengelernt habe). Nachdem wir auf unserem Hinflug einen Anschlussflug verpasst haben, wurden wir auf einen kleineren und späteren Flug umgebucht. Alle saßen schon im Flugzeug und warteten auf den Abflug als ein kleiner Minivan angerast kommt, fünf Leute raus hopsen und ca. 10 verspätete Koffer in das Flugzeug laden. Zwei weitere sitzen in dem Wagen und schauen den anderen fünf zu.
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Dann kommt (aus Sicherheitsgründen?) ein weiterer Herr dazu, sein großes Walkie-Talkie deutet darauf hin, dass er der Supervisor ist, und überwacht das gesamte Geschehen. Weil es nicht wirklich viel zu tun gibt (10 Koffer / 5 Menschen = 2 Koffer/Mensch) quatscht er einen der fünf an und unterhält sich mit ihm über seine (neuen?) Schuhe. Hakuna matata, alles mit der Ruhe!

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Irgendwie scheint in Afrika alles so ungeplant. Warum sind 8 Leute beschäftigt um 10 Koffer zu verstauen? Auch drinnen im Flughafen (während unseren vierstündigen Aufenthaltes) sah man ständig unzählige Flughafenmitarbeiter rumlaufen (natürlich schlurfend. Schlurfende Flipflops sind eh das signifikanteste Geräusch Afrikas). Was machen alle diese Leute den ganzen Tag? Laufen die einfach alle planlos durch den Flughafen und stolpern manchmal zufällig über eine Aufgabe? Es scheint niemanden zu geben, der irgendwas koordiniert oder sich auskennt. Es hat Ewigkeiten gedauert bis uns jemand damit helfen konnte, meine Schwiegereltern zu informieren dass wir vier Stunden später ankommen werden. Und dann mussten wir erst auf den Supervisior warten, damit wir von seinem Privathandy ein Telefonat absetzen konnten… Überhaupt hab ich das Gefühl, dass dort alles viel mehr dem Zufall überlassen wird. Die Leute sitzen am Straßenrand und quatschen. Vielleicht kommt zufällig heute jemand vorbei und braucht einen Tagelöhner? Dann krieg ich heute ein bissi Geld, kann also was zu Abend essen. Schön. Wenn nicht, auch egal. Ein Glück ist es in diesen Ländern immer warm. So erfriert keiner, auch ohne Haus. Und verhungern tut man auch nicht so schnell, weil in der Wärme ja immer was wächst, was man sich am Straßenrand pflücken kann. Was würden diese Leute wohl in kalten Ländern tun? Meine Schwiegermutter meinte, vielleicht haben sich die Menschen in kälteren Ländern auch deshalb so entwickelt, dass sie weiter voraus planen, weil es anders halt gar nicht geht. Interessanter Gedanke. Ich habe mich lange Zeit dagegen gewehrt zu glauben, dass Afrikaner und Europäer wirklich unterschiedlich denken. Aber irgendwie fällt es immer wieder auf, dass die Leute in Tansania einfach nicht voraus planen. Das Leben bedeutet dort einfach was anderes. Hmm, ich könnte ewig darüber nachdenken und reden. Auf Lösungen für die Ungerechtigkeit und Probleme der Drittweltländer bin ich trotzdem noch nicht gekommen. Ist halt alles wirklich nicht einfach. Ansonsten wär wohl auch schon jemand anderes drauf gekommen. Ich finde es aber beruhigend und es macht mich gleichzeitig nachdenklich, dass die Menschen dort zufriedener mit ihrem Leben und allgemein glücklicher sind. “Ignorance is bliss” ist halt doch wahr.
Eine europäisch, reiche, satte aber oft unzufriedene Sophia