…ist zwar größtenteils nicht sehr weihnachtlich, aber trotzdem sehr schön. Für mich jedenfalls. Kann ich nach dem letzten Weihnachten, was ja im Warmen war, für mich sagen.
Es ist zwar schön, an Weihnachten im Schnee rumzustapfen, verfroren nach Hause zu kommen und es sich mit einem fetten Schmöker mit ner Tasse Kakao vorm Ofen gemütlich zu machen, aber 1. hab ich das in Darmstadt eh nicht (Dank sei der Erderwärmung, die es hier so warm macht, dass es nicht mehr schneit, aber nicht warm genug, dass man sich wohl fühlen könnte), und 2. scheint Weihnachten jedes Jahr schneller wieder vor der Tür zu stehen, da ist es nicht so schlimm wenn man es ab und zu einfach mal ignoriert und/oder ausfallen lässt. Naja, find ich jedenfalls. Frag mal nen weihnachtbegeisterten Ami, der würd dir da wahrscheinlich was ganz anderes sagen (ich hatte in Amerika eine Freundin, die fand Weihnachten so toll, dass sie ihren Keller das ganze Jahr über weihnachtlich geschmückt hatte und immer runter ging um sich darüber zu freuen…).
Also, ich fands jedenfalls toll. Es war eine perfekte Mischung aus Sommerurlaub und Weihnachtsferien (bis auf die Zeiten, zu denen ich arbeiten musste, was leider nicht all zu selten war. Die haben dann zu Urlaub und Ferien nicht ganz so gut gepasst). Weihnachtlich hatten wir es auch ab und zu, auch wenn es vielleicht nicht immer das typisch-traditionell Weihnachtliche war. Hier ein paar Beweisfotos von weihnachtlichen Momenten:
Jazz-Weihnachtskonzert im Irish Pub

Carolsinging im Yachtclub (einige Kinder aus einem Waisenhaus haben ein Lied vorgesungen)

Den Weihnachtsmann gibt’s auch in Afrika (oder seinen schwarzen Bruder :-).

Sogar einen Weihnachtsbaum hatten wir. Oli hat bei einer Palme aus dem Garten den Blütenstand abgeschnitten. Der hat kopfüber und geschmückt einen sehr schönen Weihnachtsbaum abgegeben.

Man kann aber nicht nur die Weihnachtlichkeit genießen, sondern gleichzeitig Sonne, Meer und Strand. Und die sind echt nicht zu verachten. Am 24. haben wir zu zweit einen Ausflug auf eine kleine Insel vor Dar es Salaam gemacht. Beim Sonnen und Schnorcheln kann man sich wirklich bestens auf die weihnachtliche Aufregung des heilgen Abends vorbereiten.

Oli konnte dort auch endlich ausgiebig das Unterwassergehäuse testen, das er sich kurz vorher auf Ebay gakauft und an seine Kamera angepasst hatte. Es war alles dicht. Ein Glück, sonst wär’s kein schönes Weihnachten geworden!

Ja, so schön kann das Leben sein. Und jetzt sind wir wieder hier, zurück in Deutschland. Im Land des Luxus, der Ordentlichkeit und des geregelten Lebens. Hier wo nicht nur das Wetter, sondern auch die Mienen der Menschen Kälte ausstrahlen. Und ich schließe mich da nicht aus. Ich merke immer wieder, wie sehr ich mich anstecken lasse und so schnell selbst wieder griesgrämig rumschlurfe. Aber ganz ehrlich ist es auch wirklich schwer, dagegen anzukämpfen. Diese ganze “Du bis Deutschland” Aktion war ja schon interessant, aber es braucht so unwahrscheinlich viel Kraft immer wieder “Tropen auf dem heißen Stein” zu spielen. Und die Kraft hab ich oft nicht, also bis ich nur ein weiteres Stück Kohle, das den Stein noch heißer macht (ich merke, diese Metapher ist sehr begrenzt. Vor allem wo Hitze ja eigentlich was Positives ist und hier das Negative versinnbildlicht. Hmm, mir fällt aber grad nix besseres ein. Ich hoffe ihr versteht mich trotzdem). Ich finde mich grad sehr oft in dem Gedankengang, dass ich mich wundere, warum ich überhaupt hier lebe. Immerhin leben wir in einer Zeit und Welt, in der sich jeder (zumindest jeder Deutsche) entscheiden kann, wo er sein Leben verbringen möchte. Deshalb finde ich, sollte man sich da auch wirklich Gedanken drüber machen und nicht automatisch annehmen dass nur weil man hier geboren ist, man auch hier sterben sollte. Ich weiß, dass Deutschland unwahrscheinlich viele Vorzüge hat. Jedes Mal wenn wir aus Tansania zurück kommen bemerke ich dieses auf ein Neues und freue mich auch über Vieles. Aber trotzdem fällt es mir doch jedes Mal schwerer, mich hier einzuleben, als auf dem Hinweg in Tansania. Annehmlichkeiten wie zuverlässiger Strom, Sauberkeit auf den Straßen, Häuser bei denen man sicher sein kann, dass sie nicht über einem zusammenbrechen und einen begraben werden, alles schön und gut. Aber verglichen mit der Freiheit, die man gewinnt wenn der Lebensraum nicht auf vier Wände begrenzt ist, weil man sich problemlos draußen aufhalten kann ohne den Gefriertod fürchten zu müssen, werden diese Annehmlichkeiten belanglos. Es ist nicht einfach nur schön wenn es warm ist. Es bringt so viel mehr mit sich. Ich könnte hier ja auch raus und spazieren gehen, mich mit Leuten in der Stadt verabreden, Dinge unternehmen. Ich müsste mich halt dick eipacken. Aber ich mache es nicht, ich glaube weil es so mühsam ist. Es geht ja auch ohne. Der nächste Sommer kommt bestimmt und Freunde kann man auch anrufen… Die Wärme draußen ermöglicht ein ganz anderes Leben mit der Freiheit jederzeit alles überall machen zu können. Und ich merke wie wichtig mir das ist. Wenn ich in Tansania aus dem Flugzeug steige und die Hitze des Rollfelds mir fast die Hose an den Beinen hochrollt, habe ich das Gefühl, dass sich alles entkrampft, dass ich endlich wieder loslassen und leben kann. Ich fühl mich endlich richtig wohl.
Irgendwie macht mir das aber Angst. Denn auf lange Sicht bedeutet das ja, dass ich eigentlich nicht in Deutschland leben will. Und das ist unheimlich. Weil es einen ziemlich langen Rattenschwanz an Auswirkungen mit sich bringt. Wo will ich denn hin wenn weg von hier? Was ist mit meinen Freunden und meiner Familie? Will ich meine Zelte hier wirklich komplett abbrechen? Meine Kinder später im “Ausland” (das ja dann wohl Heimat wäre) großziehen, wären die dann gar keine Deutschen und fänden es komisch, dass ihre Mama in Deutschland aufgewachsen ist? Findet man wo Neues wirklich wieder Anschluss? Weil ohne Freunde kann es noch so warm sein, dann ist das Leben auch blöd. Irgendwie ziemlich unheimliche Gedanken. Und doch will ich sie denken, denn wenn ich das nicht tue, sitz ich in 20 Jahren immernoch hier weil ich mich nicht getraut habe einfach zu gehen.
Ein paar Leute mit denen ich schon darüber geredet habe meinten, ich sei doch noch jung und soll einfach ein bisschen reisen, ein paar Länder kenenlernen und gucken wo es mir gefällt. Vielleicht komm ich ja irgendwann wo hin und spüre, dass sich das richtig anfühlt. Das will ich auf alle Fälle tun und unser nächster Urlaub wird zeigen, ob Kalifornien nicht so ein Ort sein könnte. Bin sehr gespannt drauf, man hört ja viel Gutes…
Außerdem werd ich oft darauf hingewiesen, dass selbst ein Umzug ja nicht auf ewig sein muss. Man kann ja auch für ein paar Jahre weg ziehen und dann wieder zurück kommen. Ist auch wahr, aber ich glaub mein Problem damit ist, dass ein Teil von mir (und das ist ein nicht all zu kleiner Teil) immer alles fertig denken und planen will. Dieser Teil gibt sich nicht damit zufrieden, dass ich nicht weiß ob das ein Umzug für immer ist. Diese Ungewissheit ist so schwer zu ertragen. Komisch, dabei ist doch eigentlich das ganze Leben ungewiss. Hmm, weiß auch nicht warum das so ist, aber ich merk, dass mich das darüber Nachdenken ganz kribbelig macht. Man kann halt nicht in die Zukunft sehen, und alles durchgeplant zu haben wär ja auch langweilig. Aber so ein bissi “es wird schon alles gut werden” würd halt auch gut tun.
Und das bringt mich dann jedesmal wieder zum gleichen Punkt: ein Glück dass ich weiß, dass es tatsächlich alles gut werden wird. Selbst wenn ich nicht im Voraus weiß wohin der Weg geht. Weil ich Vertrauen haben kann, dass Gott auf dem ganzen Weg dabei sein wird. Das nimmt die Kribbeligkeit zwar nicht weg, aber immerhin die Panik davor, dass alles schief gehen könnte. Denn selbst ein kribbeliger Weg ist mit Gott ein guter Weg.
Eine – ja, genau – kribbelige Sophia