Dieser post ist eine Antwort auf den post eines entfernten Bekannten, der mir die letzten Tage nicht aus dem Kopf geht (der post, nicht der Bekannte ;-) Vielleicht hilft das Niederschreiben ja bei der Ordnung meiner Gedanken. (Und hier noch ein anderer Gedanke: ich hab das Gefühl, dass das viele Magisterarbeit-Geschreibsel meinen Schreibstil verändert. Ich komme mir jetzt manchmal so extrem verhackstückend und logisch vor. Ist das noch jemandem aufgefallen???)
Matze fühlt sich scheinbar schlecht darüber, dass er glücklich ist, obwohl seine Beziehung zu Gott (seiner Meinung nach) gerade zu wünschen übrig lässt. Das lässt darauf schließen, dass er meint, dies sollte oder dürfte nicht so sein. Ich darf nicht glücklich sein wenn ich keine „gute Beziehung“ zu Gott habe. Eine „schlechte Beziehung“ zu Gott sollte mich doch unglücklich machen. Interessant. Aber irgendwie hört sich das gar nicht nach dem Gott an, den ich kenne. Eher nach einem schlechten Gewissen von jemandem, der meint, seinen frommen Verpflichtungen nicht nachzukommen.
Ich hab bestimmt nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen oder alles begriffen, aber das meine ich doch schon zu verstehen. Glücklichkeit hat erst mal nichts mit der Beziehung zu Gott zu tun. Ansonsten gäb‘s nur glückliche Christen und nur unglückliche Nichtchristen. Beides ist definitiv nicht der Fall. Wär auch ziemlich unfair von Gott weil ja jeder glücklich sein will und sonst wär das mit dem freien Willen wirklich nur eine Pseudofreiheit. Dass Glaube zur Glücklichkeit eines Menschen beitragen kann ist wiederum was anderes, das ich hier nicht bestreiten möchte. Ich denke, niemand sollte sich schlecht darüber fühlen, dass er glücklich mit seinem Leben ist. Das macht ihn zu einem Lebenskünstler und ich wünschte, dass ich selbst mehr solcher Qualitäten hätte.
Dass Matze diesen post überhaupt schreibt, deutet darauf hin, dass er nicht glücklich sein möchte trotz seiner „schlechten“ Beziehung mit Gott. Es fühlt sich falsch an. Und das wiederum kann ich sehr gut nachvollziehen.
Ich vermute, dass Matze eine ähnliche „christliche Karriere“ hatte wie ich. Ich bin in einer christlichen Familie aufgewachsen, war also von Anfang an Gott und dem christlichen Glauben ausgesetzt. Es gab (und gibt immer mal wieder) Zeiten zu denen ich alles angezweifelt habe. Aber letzten Endes komme ich immer wieder zu dem Schluss, dass es Gott halt doch gibt und das Ganze nicht nur eine religiöse Spinnerei ist. Dafür gibt es einfach zu viele Hinweise. Ich weiß, dass es Kräfte auf dieser Welt gibt, die über das Menschliche hinaus gehen. Negative und positive. Ich habe beide schon erfahren. Ich habe auch schon erlebt, welche davon die stärkeren sind. Dieses Wissen kann ich nicht einfach leugnen, und ignorieren kann und will ich es auch nicht. Deshalb bin ich Christ: weil ich in meinem Leben erfahren habe, dass Gott existiert und ich bei ihm auf der besseren Seite bin.
Diese Entscheidung bringt aber eine Reihe von Dingen mit sich. Eine davon ist, dass ich mit Gott Kontakt aufnehmen kann, will und vermutlich auch sollte. Und das ist wohl der Knackpunkt, an dem Matze sich fühlt als würde er scheitern. Auch das kann ich nachvollziehen. Es ist schwer eine Beziehung mit jemandem zu haben, der so anders als man selbst ist. Vor allem unsichtbar und nicht menschlich. Ich beneide die Leute, die zur gleichen Zeit wie Jesus gelebt haben. Es muss so viel einfacher für sie gewesen sein (naja, zumindest in dem Punkt. In so ziemlich allen anderen Punkten des Lebens beneide ich sie nicht. Was wär das Leben ohne Internet :-). Aber was ist denn die Alternative? Alles aufzugeben. Ich weiß, dass das eindeutig die schwachsinnigere Wahl wäre. Und deshalb nehme ich die Herausforderung an, ich versuche jeden Tag daran zu arbeiten, meine Beziehung zu Gott zu pflegen und das Beste draus zu machen. Eigentlich ähnlich wie Beziehungen zwischen Männern und Frauen. Kompliziert ohne Ende und trotzdem trauen sich so viele Leute dran, einfach weil die Alternative – Einsamkeit – noch blöder wär.
Matze denkt, Gott sei in seinem Alltag irrelevant. Das Schreiben seines Artikels beweist aber das Gegenteil. Sonst würde er doch gar nicht darüber nachdenken und mit der derzeitigen Situation unzufrieden sein. Gerade das Zweifeln zeigt doch, das er nicht bereit ist das Ganze als unwichtig abzustempeln. Der Alltag spielt sich doch nicht nur in unseren Handlungen ab, sondern genauso in dem, worüber wir nachdenken, was uns beschäftigt. Ich glaube der Punkt ist: manchmal fühlt man sich gut, manchmal schlecht in der Beziehung zu Gott. Aber wir Christen (als diejenigen, die wissen, dass Gott Realität ist) können doch gar nicht anders. Wir können nur akzeptieren, dass es manchmal toll ist und manchmal nicht. Vor bestimmt 15 Jahren (oh dear, bin ich alt, dass ich so was sagen kann!) hab ich mal jemanden über dieses Thema reden gehört. Die Lösung, die der Typ damals hatte, war ganz einfach: immer am Ball bleiben! Das ist irgendwie kleben geblieben bei mir. Ich bleib immer dran an Gott, auch wenn’s manchmal nervt weil alles so schlecht läuft. Ich bleib trotzdem dran weil ich weiß, dass es auch wieder besser wird. Und das habe ich unzählige Male bei mir und bei anderen erlebt. Wenn ich zurück blicke, ist meine Beziehung zu Gott vergleichbar mit einer Aktienkurve. Es geht mal hoch und mal runter, aber die Tendenz ist definitiv steigend. Je länger ich mit ihm befreundet bin, desto besser kenn ich ihn und weiß was ich an ihm habe. Und desto mehr Möglichkeiten lerne ich, die Freundschaft zu pflegen. Und desto mehr erkenne ich, was mir diese Freundschaft wirklich bringt. Letzten Endes ist es nicht nur ein K(r)ampf, sondern tatsächlich eine Freundschaft.
Matze wirft die Frage auf über eine echte Beziehung zu Gott. Gibt es denn eine unechte Beziehung zu ihm? Vermutlich schon und die sähe so aus, dass man vortäuscht alles zu verstehen und keinerlei Probleme damit zu haben, eine Freundschaft mit einem „Alien“ zu haben. Hallo…? – Natürlich ist das schwer und natürlich ist man manchmal frustriert. Das ist sogar bei „normalen“ Beziehungen der Fall. Aber aufgeben ist halt keine Alternative. Das einzig sinnvolle ist also „am Ball zu bleiben“ und nach neuen Wegen zu suchen, wie man was zusammen machen kann und sich besser kennenlernt. Und das ist wiederum ein ganz neues, aber auch unglaublich spannendes Thema. All diese ausgelatschten Wege, wie man seine Freundschaft mit Gott zu leben hat, tragen meiner Meinung nach nicht dazu bei, diese Freundschaft zu verbessern. Sie sind eher der Grund dafür, dass viele Christen so frustriert sind. Jeder Mensch ist doch anders, warum sollte es einen universellen Weg geben, wie man Freundschaft lebt?
Ich z.B. merke, dass sich ein großer Teil meiner Beziehung zu Gott in meinem Kopf abspielt (was mich nicht wundert, da ich generell ein sehr verkopfter Mensch bin). Ich sinniere über Sachen und habe einen Gedanken, inspiriert von etwas, das ich letztens in nem Predigt-Podcast gehört habe. Ich swinge auf meinem Trampolin, höre ne coole CD und denke mit Gott zusammen darüber nach, was ich heute machen will und er zeigt mir dabei oft Sachen, die ich machen soll (z.B. diesen post schreiben). Ich bin neidisch auf jemandem und merke, wie etwas in mir weiß, dass ich daran arbeiten muss… Alles in meinem Leben, in meinen Gedanken, alles an und in mir ist verwoben und verknüpft mit Gott. Einfach weil man uns nicht mehr trennen kann, weil diese Freundschaft schon so lange andauert, dass sie mich verändert hat, dass ich ohne sie jemand ganz anderes wäre. Und so ist Gott doch automatisch Teil meines Alltags, weil er Teil von mir ist. Und das hat nichts mit einer langweiligen stillen Zeit im Morgengrauen zu tun.
Ich glaube wir müssen diese schrecklichen Vorstellungen abschütteln, wie Freundschaft zu Gott aussehen muss. Wir müssen das schlechte Gewissen ablegen, dass wir nicht genug für Gott und unsere Freundschaft tun. Das setzt einen doch so unter Druck, dass es den Spaß verdirbt und man lieber gar nichts mehr mit dem Ganzen zu tun haben will. Aber das ist ja wie bereits erklärt auch keine Lösung…
In 2. Petrus 3,18 steht: Lebt immer mehr aus der Gnade unseres Retters Jesus Christus und lernt ihn immer besser/tiefer kennen (Mischung aus verschiedenen Übersetzungen). Ich denke, das ist das einzig Vernünftige, was wir in dieser Situation tun können. Immer am Ball bleiben, die Freundschaft nie aufgeben, Gott immer besser kennenlernen. Ich merke, dass dadurch meine Perspektive auf Gott, die Welt und meinen Alltag verändert wird und so das Leben und die Freundschaft zu Gott immer mehr Sinn machen.
Eine zuversichtliche Sophia